Ein maritimes Festgedeck aus der portugiesischen Küstenküche
Wenn man nach dem idealen Wein zum Essen für einen Abend mit Meeresfrüchten sucht, ist der Polvo à lagareiro ein Paradebeispiel für die authentische Genusskultur Portugals. Die Kunst, Wein und Speisen harmonisch zu vereinen, zeigt sich bei diesem Gericht in der Balance zwischen der fleischigen Textur des Oktopus und der Üppigkeit des Olivenöls. Der Name Lagareiro bezieht sich traditionell auf den Besitzer einer Olivenölpresse, was die zentrale Rolle des flüssigen Goldes in diesem Rezept unterstreicht. Der Oktopus wird zunächst zart gegart und anschließend im Ofen mit einer großzügigen Menge Knoblauch und kleinen, mit der Faust zerdrückten Kartoffeln gebacken. Durch diesen Prozess entstehen herrliche Röstaromen, während das Fleisch saftig und aromatisch bleibt. Die Kombination aus der mineralischen Note des Meeresgetiers, der pika-würzigen Tiefe des Knoblauchs und der samtigen Textur des Öls erfordert eine Begleitung, die sowohl Frische als auch genügend Struktur mitbringt. Es ist ein ehrliches, rustikales Gericht, das die Essenz des Atlantiks einfängt und jeden Tisch in eine kleine Taverne an der Küste von Lissabon oder Porto verwandelt. Die richtige Weinwahl hebt die feinen Meeresaromen hervor und sorgt dafür, dass das Gericht trotz der reichhaltigen Verwendung von Öl angenehm leicht und lebendig am Gaumen wirkt.
Ideale Weinbegleitung: Codega do Larinho Douro DOC (Douro, Portugal)
Ein frischer Weißwein aus der autochthonen Rebsorte Codega do Larinho, gewachsen in den mineralischen Schieferböden des Douro-Tals, ist der perfekte Partner für diesen Oktopus. Diese Rebsorte zeichnet sich durch eine subtile, aber komplexe Aromatik aus, die an weiße Blüten, reife Zitrusfrüchte und eine Spur von Honigmelone erinnert. Am Gaumen zeigt der Wein eine beeindruckende Mineralität und eine lebendige Säure, die essentiell ist, um die Reichhaltigkeit des Olivenöls zu durchbrechen und den Gaumen nach jedem Bissen zu erfrischen. Die leicht cremige Textur des Weins harmoniert hervorragend mit dem zarten Fleisch des Oktopus und den mehligen Batatas a murro. Zudem besitzt Codega do Larinho oft eine feine saline Note im Abgang, die den maritimen Charakter des Gerichts unterstreicht und die natürlichen Salze des Oktopus wunderbar aufgreift. Da der Wein meist ohne übermäßigen Holzeinsatz ausgebaut wird, bleiben die Primäraromen klar und präzise, was den intensiven Knoblauch- und Röstaromen des Gerichts genügend Raum lässt, ohne sie zu dominieren. Es entsteht eine Synergie, bei der die Frische des Weins die Tiefe der Speise perfekt einrahmt und für ein langanhaltendes Geschmackserlebnis sorgt, das die Seele Portugals widerspiegelt.
Weitere Weinempfehlungen zu diesem Gericht
Alvarinho Vinho Verde DOC (Monção e Melgaço, Portugal)
Ein reinsortiger Alvarinho aus der nördlichsten Region Portugals bringt eine außergewöhnliche Konzentration und Frische mit, die hervorragend zum Polvo à lagareiro passt. Die intensiven Aromen von Pfirsich, Passionsfrucht und Zitronenzesten ergänzen die mineralischen Noten des Oktopus auf wunderbare Weise. Seine markante Säurestruktur wirkt fast wie ein Spritzer frischer Zitrone über dem Gericht und hebt die feinen Meeresaromen hervor, während sie gleichzeitig gegen das schwere Olivenöl ankämpft. Da Alvarinho oft eine gute Struktur und einen gewissen Schmelz besitzt, kann er problemlos mit der Dichte des Knoblauchöls mithalten. Die salzigen Nuancen im Finale des Weins verstärken das Gefühl einer frischen Meeresbrise am Tisch und harmonieren mit dem Oktopusfleisch. Es ist eine klassische Kombination, die Frische und Komplexität vereint und dem Gericht eine zusätzliche aromatische Dimension verleiht, ohne die rustikale Basis zu verfälschen. Der Wein bleibt am Gaumen präsent und sorgt für ein sauberes Gefühl, das Lust auf den nächsten herzhaften Löffel macht.
Chablis AOC (Burgund, Frankreich)
Ein klassischer Chablis, geprägt durch die Kimmeridge-Kalkböden des Burgunds, bietet eine unvergleichliche Präzision, die den Oktopus elegant begleitet. Die stahlige Säure und die kühle Mineralität sind wie geschaffen, um das reichhaltige Olivenöl zu balancieren und dem Gericht eine noble Struktur zu verleihen. In der Nase finden sich grüne Äpfel, Feuerstein und ein Hauch von Limette, was einen erfrischenden Kontrast zu den warmen Röstaromen des Ofens bildet. Der Wein ist schlank, aber ausdrucksstark und drängt sich den feinen Nuancen des gegarten Knoblauchs nicht auf. Vielmehr wirkt er wie ein architektonisches Gerüst, das die Fleischigkeit des Oktopus unterstützt und hervorhebt. Da Chablis oft wenig bis gar kein neues Holz sieht, bleibt die Reinheit der Frucht erhalten, was die Natürlichkeit der Zutaten beim Polvo à lagareiro unterstreicht. Diese französische Wahl bringt eine aristokratische Klarheit in die rustikale portugiesische Küche und schafft einen spannenden Dialog zwischen französischer Finesse und atlantischer Kraft, wobei die kühle Eleganz jeden Schluck zu einer willkommenen Erfrischung macht.
Grüner Veltliner Kamptal DAC (Niederösterreich, Österreich)
Ein kräftiger Grüner Veltliner aus dem Kamptal ist eine hervorragende Wahl, besonders aufgrund seines charakteristischen Pfefferls, das eine natürliche Brücke zum Knoblauch schlägt. Die würzigen und leicht kräuterigen Noten des Weins korrespondieren fantastisch mit der Petersilie und dem Lorbeer, die dem Oktopus sein Aroma verleihen. Die reife Frucht von Steinobst und die vitale Säure geben dem Wein genügend Körper, um neben der intensiven Textur des Polvo zu bestehen. Seine Struktur ist meist fest und gut gebaut, was ausgezeichnet zu den weichen, im Ofen gebackenen Kartoffeln passt. Die würzige Tiefe des Veltliners ergänzt die Röstaromen, die beim Backen entstehen, und sorgt für ein harmonisches Mundgefühl. Da der Wein oft eine feine Pikanz besitzt, wird das Geschmackserlebnis insgesamt dynamischer und abwechslungsreicher gestaltet. Es ist eine moderne Paarung, die zeigt, wie gut österreichische Weißweinkultur und südeuropäische Seafood-Klassiker miteinander verschmelzen können, ohne dass eine Komponente die andere unterdrückt oder im Hintergrund verschwindet.
Assyrtiko Santorini PDO (Ägäis, Griechenland)
Der Assyrtiko von der Insel Santorin ist einer der charaktervollsten Weißweine der Welt und ein kongenialer Partner für den Polvo à lagareiro. Durch die kargen vulkanischen Böden besitzt der Wein eine fast schon explosive Mineralität und eine extrem hohe Säure, die das Fett des Öls regelrecht zerschneidet und den Gaumen klärt. Die Aromen von Zitrusfrüchten, Rauch und Meersalz spiegeln die Seele des Meeres wider und passen perfekt zum Oktopus. Dieser Wein hat eine unglaubliche Kraft und Extraktstärke, was ihn befähigt, selbst gegen intensivste Knoblauchnoten und die Röstaromen der Kartoffeln zu bestehen. Er wirkt am Gaumen straff, fast schon drahtig und sehr direkt, was dem weichen Oktopus einen festen, strukturierten Rahmen gibt. Die saline Note im Abgang ist die perfekte Ergänzung zu den Meeresfrüchten und verstärkt deren natürlichen Eigengeschmack auf beeindruckende Weise. Es ist eine energetische Kombination, die durch ihre Intensität besticht und ein klares Statement für maritime Genussfreude setzt, das lange am Gaumen nachklingt.
Sauvignon Blanc Leyda Valley (Aconcagua, Chile)
Ein Sauvignon Blanc aus dem kühlen Leyda Valley in Chile bringt eine messerscharfe Frische und intensive Aromen von grünem Pfeffer, Grapefruit und frischen Kräutern mit. Diese grasigen und zitrischen Komponenten fungieren als aromatischer Kontrapunkt zum warmen, öligen Knoblauch des Gerichts. Die Nähe des Anbaugebiets zum Pazifik verleiht dem Wein eine salzige Mineralität, die hervorragend mit dem Meeresgetier harmoniert und dessen Frische betont. Der Wein ist leichtfüßig und dennoch aromatisch laut genug, um sich gegen die kräftigen Beilagen zu behaupten und eine animierende Leichtigkeit zu bewahren. Die belebende Säure sorgt dafür, dass das Gericht insgesamt weniger schwer wirkt und die Sinne belebt werden. Diese Wahl aus der Neuen Welt zeigt, wie präzise maritime Weißweine die Aromen des Oktopus unterstützen können, ohne sie zu verfälschen oder zu überlagern. Das Zusammenspiel von kühler Frucht und warmem Olivenöl erzeugt eine spannende Spannung am Gaumen, die den Genuss verfeinert und jeden Schluck zu einer reinigenden Welle macht.
Das Rezept:

Polvo à lagareiro (Oktopus mit Olivenöl & Knoblauch)
Kochutensilien
- 1 Großer Topf
- 1 Große Auflaufform
- 1 Küchenpapier
- 1 Messer und Schneidebrett
Zutaten
Der Oktopus
- 1 Oktopus ca. 1 kg, frisch oder tiefgekühlt
- 1 Zwiebel ganz
- 2 Lorbeerblätter
- 1 Korken traditionell zum Zartmachen, optional
Die Kartoffeln
- 500 g kleine festkochende Kartoffeln
- Grobes Meersalz
Die Marinade
- 200 ml hochwertiges Olivenöl extra vergine
- 6-8 Knoblauchzehen in Scheiben geschnitten
- Frischer Koriander oder glatte Petersilie zum Bestreuen
- Schwarzer Pfeffer aus der Mühle
Zubereitung
Oktopus garen
- Den Oktopus gründlich waschen. In einem großen Topf ohne Wasser (der Oktopus lässt eigenes Wasser) oder mit sehr wenig Wasser zusammen mit der Zwiebel und den Lorbeerblättern bei mittlerer Hitze ca. 45 bis 60 Minuten sanft köcheln lassen, bis er zart ist. Den Oktopus abtropfen lassen und in Arme teilen.
Kartoffeln vorbereiten
- Die Kartoffeln mit Schale in Salzwasser weich kochen. Abgießen und etwas abkühlen lassen. Jede Kartoffel mit der Faust oder einem Löffel vorsichtig flach drücken (murro), sodass die Schale aufspringt, aber die Kartoffel ganz bleibt.
Backen im Ofen
- Den Ofen auf 200°C vorheizen. Den Oktopus und die zerdrückten Kartoffeln in eine große Auflaufform geben.
- Die Knoblauchscheiben großzügig darüber verteilen und alles mit dem Olivenöl übergießen, bis der Boden der Form gut bedeckt ist.
- Für etwa 20 bis 30 Minuten im Ofen backen, bis die Kartoffeln und der Oktopus eine leichte Bräunung annehmen.
Servieren
- Vor dem Servieren mit frisch gemahlenem Pfeffer und reichlich gehacktem Koriander oder Petersilie bestreuen. Direkt aus der Form servieren und das Öl zum Dippen nutzen.
Empfohlene Beilagen:
- Ein knackiger grüner Blattsalat mit einfacher Vinaigrette
- Schwarze Oliven (portugiesische Galega-Oliven)
- Knuspriges Weißbrot zum Aufsaugen des Knoblauchöls

